Rezension – Artemis – Andy Weir

Rezension – Artemis – Andy Weir

Nachdem Andy Weir den Mars besiedelt hat, wird von ihm nun der Mond eingenommen. Ob es sich dort besser leben (oder lesen) lässt?


kalppentextJazz Bashara ist kriminell. Zumindest ein bisschen. Schließlich ist das Leben in Artemis, der ersten und einzigen Stadt auf dem Mond, verdammt teuer. Und verdammt ungemütlich, wenn man kein Millionär ist. Also tut Jazz, was getan werden muss: Sie schmuggelt Zigaretten und andere auf dem Mond verbotene Luxusgüter für ihre reiche Kundschaft. Als sich ihr eines Tages die Chance auf einen ebenso lukrativen wie illegalen Auftrag bietet, greift Jazz zu. Doch die Sache geht schief, und plötzlich steckt Jazz mitten drin in einer tödlichen Verschwörung, in der nichts Geringeres auf dem Spiel steht, als das Schicksal von Artemis selbst.


meinemeinungIch habe mich sehr auf Artemis gefreut, da mir Der Marsianer selbst so gut gefallen hatte. Schon am Klappentext erkennt man, dass Andy Weir hier etwas Neues probiert hat, das sich nicht mit Der Marsianer verlgeichen lässt. In Artemis spielen Science Fiction und Krimielemente eine große Rolle. Jazz, eine Schmugglerin, wird in etwas Illegales hineingezogen, dass nichts Gutes für Artemis bedeutet und versucht dies aufzuhalten. Dass Andy Weir eine neue Richtung angeschlagen hat, finde ich nicht schlimm, doch leider konnte mich die Umsetzung einfach nicht wirklich überzeugen.

Andy Weir hat in Artemis aus Sicht einer Frau geschrieben. Er sollte weiterhin wirklich lieber aus der männlichen Sicht schreiben und auf seinem Terrain bleiben. Denn das hier war nichts. Ein großer Kritikpunkt ist für mich die Protagonistin Jazz. Sie war mir das ganze Buch über unsympathisch und ich habe ihre Handlungen oftmals nicht nachvollziehen können. Sie kommt rüber wie eine trotzige 15-jährige Teenagerin, die nachtragend ist, sich kindisch vehält und nicht weiß, welchen Weg sie einschlagen soll.

Dann wurde sie noch die ganze Zeit von ihrem Umfeld sexistisch angegangen und sie hat es einfach so hingenommen. Gefühlt jede Person hat etwas zu Jazz Sexleben zu sagen. Sogar ihr Vater. Und nein: Jazz hat nicht einmal Sex im Buch und denkt selbst auch gar nicht darüber nach. Dann gibt es eine Szene, deren Sinn ich immer noch nicht verstehe. Jazz soll ein Kondom testen, weil sie ja mit so vielen Männern schläft. Es wird nicht mehr darauf eingegangen. Dieser Plot läuft einfach ins Leere. What? In einer Szene muss sie sich auch als Prsotituierte verkleiden. Ich hab das Gefühl, dass Weir dachte, dass man Jazz, also eine Frau, nur durch ihre sexuellen Reize interessant gestalten kann.

Ansonsten ist der Inhalt des Buches natürlich wieder sehr technisch, was bei Der Marsianer auch so war. Da die Bewohner der Stadt diese instandhalten müssen und auch außerhalb der Stadt nicht sterben wollen, wissen sie, wie man das handhabt. Alle wichtigen Charaktere kennen sich auf einem bestimmten Gebiet sehr gut aus. Auf dem Mond funktioniert alles ein wenig anders, was Weir gut erklärt und diese Aspekte finde ich auch wirklich interessant. Nicht alles habe ich verstanden, aber den Großteil konnte ich nachvollziehen. Trotzdem waren seitenlange Erklärungen für mich oft etwas langatmig, besonders wenn diese in an sich spannende Szenen gepackt wurden und dadurch die Spannung wieder abflaut und nicht aufrecht erhalten wird. Aber dies kann natürlich jeder Leser anders empfinden.

Von der Stadt Artemis allgemein bekommt man nicht allzu viel mit. So richtig konnte ich mir die Stadt leider nicht vorstellen. Ich hatte gehofft, dass mich diese Stadt auf dem Mond mehr begeistern würde und ich mich besser ein Leben dort vorstellen könnte.
Einen großen Anteil an Einnahmen erwirtschaftet sich die Stadt durch den Tourismus. Davon bekommt man beim Lesen auch einiges mit, was ich ziemlich spannend fand. Besonders mochte ich eine Szene, in der man sozusagen als Tourist den Mond erkundet.

Die Gesellschaftsform und das Leben auf dem Mond fand ich noch am besten am Buch, da mich dieser Aspekt wirklich interessiert hat. Auf Artemis leben Menschen aus verschiedensten Ländern und auch wenn dabei, wie ich finde, etwas auf Stereotypen zurückgegriffen wurde, fand ich es schön zu lesen, dass die Herkunft keine Rolle spielte und (meist) friedlich zusammen gelebt wird. Nur meist, da es keine wirkliche Polzei gibt und die Bewohner selbst für Gerechtigkeit sorgen.

Neben den Kritikpunkten war die Story gut zu lesen, was am angenehmen Schreibstil Weirs liegt. Ich fand den Plot aber jetzt nicht sehr spannend und er hat mich nicht wirklich mitgerissen. Es gab ein paar dramatische Szenen, aber gefühlt habe ich dabei nicht viel, was besonders an den Charakteren lag. Diese waren für mich allesamt nicht authentisch oder tiefgründig. Ich konnte das Buch gut lesen, werde es aber wahrscheinlich schnell wieder vergessen.

Am Marsianer habe ich ja den trockenden Humor so geliebt. Auch hier hat Weir Witze eingebaut und ein paar Mal musste ich auch schmunzeln. Doch so gelacht wie beim Marsianer habe ich leider nicht. Hier wirkten viele Witze fehl am Platz. Würde ich nicht wissen, dass Weir Artemis und Der Marsianer geschrieben hat, würde ich es nicht glauben.


fazitArtemis hat mich leider ziemlich enttäuscht, was vor allem am Frauenbild lag. Aber ich hatte auch gehofft, mehr über die Gesellschaft und das Leben auf dem Mond zu erfahren, was leider nicht so war. An sich ist das Konzept sehr interessant, aber die Umsetzung hat mit persönlich nicht gefallen.


Allgemeine Infos

Titel: Artemis
Autor: Andy Weir
Verlag: Heyne
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Seitenanzahl: 432

Ich danke dem Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar

Andere Meinungen
Weltenwanderer | Letterheart

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6 thoughts on “Rezension – Artemis – Andy Weir

  1. Du hältst Dich mit Deiner Kritik zu Jazz ja noch erfreulich zurück. Im Gegensatz dazu habe ich vor einiger Zeit eine Rezension gelesen, die Andy Weir Rassismus, Sexismus und Disablismus vorgeworfen hat und habe darob beständig mit dem Kopf geschüttelt. 🙂
    Ich verstehe sogar, dass man Jazz nicht gut findet, ich jedoch habe sie so in die Kategorie „Ellen Ripley“ aus „Alien“ eingeordnet, und Ellen Ripley mochte ich. 😉 Außerdem finde ich, dass sie hinsichtlich der vermeintlich sexistischen Sprüche fast genau so austeilt, wie sie einsteckt.
    Der „Plot“ mit dem Kondom wird übrigens immer wieder thematisiert, fungiert aus meiner Sicht also als so eine Art – wenn auch vielleicht sinnfreier – „running gag“.
    Muss sie sich – ich hab das Buch schon vor einiger Zeit gelesen – tatsächlich als Prostituierte verkleiden? Ich weiß, dass sie sich in einer Szene in einen Niqab hüllte – was den Anlass zum nächsten Shitstorm gab – aber als Prostituierte … – da muss ich nochmal nachlesen, schade, dass ich das Buch gerade nicht da habe. 🙂
    Insgesamt ist es zwar schade, dass Dir das Buch – ganz im Gegensatz zu mir – nicht so gefallen hat, aber wenigestens hast Du es nicht als die antifeministische Kampfschrift verrissen, die es definitiv nicht ist. 🙂

    1. Hey fraggle,
      danke für den Kommentar! Ich kenne die Rezension, die du angesprochen hast. Aber so „schlimm“ fand ich das Buch dann auch nicht :). Mir war Jazz einfach sehr unsympathisch und das hat sich dann aufs Buch ausgewirkt. Aber das sieht natürlich jeder anders und mich freut es, dass dir das Buch gefallen hat.
      Jazz hatte sich als Prostituierte „verkleidet“ als sie ins Hotelzimmer zu dem Typen (Namen vergessen) wollte. Sie hat ja angegeben, dass sie „bestellt“ wurde. Wo dann der erste Kampf mit Lefty passiert ist. Sie sagt sogar, sie war extra beim Friseur „und kam als Flittchen wieder heraus“.
      Liebe Grüße
      Charline

      1. Ah, stimmt! Das hatte ich nicht mehr auf dem Schirm, sorry. 😉 Besagte Rezension fand ich persönlich schlimm, Deine schon wesentlich angenehmer, 😉

  2. Hi Charline,
    ich muss ja zugeben, dass ich ein riesiger Fan von Artemis bin. Ich mochte den Plot, das Setting, die vielen technischen Schilderungen und Jazz persönlich mochte ich auch total gerne. Die „Storyline“ mit dem Kondom konnte ich zwar nicht nachvollziehen, wieso das überhaupt Erwähnung gefunden hat im Buch, aber ich finde, dass Jazz sich in diesem Umfeld, in welchem sie sich befindet, als sehr toughe Protagonistin behauptet. Sie bekommt viel zu hören, teilt aber wie ich finde auch sehr gut aus und lässt sich rein gar nichts gefallen. Das mochte ich sehr, weshalb ich die große Kritik an dieser Geschichte, wie sie oft zu lesen ist, leider nicht so ganz nachvollziehen kann.
    Und wie fraggle schon sagte kann auch ich mich nicht an eine Szene erinnern, wo sie sich als Prostituierte verkleiden soll :-/
    Ansonsten danke für die schöne Rezi!
    Liebe Grüße
    Philip

    1. Hey Philip,
      habe schon mitbekommen, dass du das Buch sehr mochtest 🙂 Und ich kam leider mit Jazz so gar nicht klar, aber jeder hat natürlich andere Geschmäcker 😀 Teilweise kann ich aber verstehen, dass du sie als toughe Protagonistin siehst. Ich bleibe aber lieber beim Marsianer 🙂
      Jazz hatte sich als Prostituierte „verkleidet“ als sie ins Hotelzimmer zu dem Typen (Namen vergessen) wollte. Sie hat ja angegeben, dass sie „bestellt“ wurde. Wo dann der erste Kampf mit Lefty passiert ist. Sie sagt sogar, sie war extra beim Friseur „und kam als Flittchen wieder heraus“.
      Danke für den Kommentar!
      Liebe Grüße
      Charline

  3. Hey Carline,
    mir hat das Buch auch überhaupt nicht gefallen. Ich finde, genau wie du, dass Weir lieber aus der Sicht eines Mannes schreiben sollte… Er konnte Jazz einfach überhaupt nicht glaubwürdig darstellen. Auch die ständigen Anspielungen auf ihr, im Buch nicht existierenden, Sexleben haben mich total gestört. Gleichzeitig war die Handlung langweilig, es ist erst ganz am Schluss etwas Spannung aufgekommen und die Charaktere waren alle blass und ohne jeden Tiefgang. Ich kann alle deine Kritikpunkte nachvollziehen und bin da ganz bei dir.
    Liebe Grüße!
    Anna

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